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ViVA Kittycat im Interview

Subheadline: Sie lässt die Katze aus dem Sack
Interview

 

Nicht nur die deutsche zocker schinken e.V. werden älter, auch der eSport wird selbstverständlich nicht jünger. So nimmt man automatisch auch immer mehr Veränderungen wahr. Es gibt schöne, aber auch schlechte Veränderungen. Sicherlich eine schöne Veränderung ist, dass es immer mehr Frauen in den eSport Bereich verschlägt, die ihr Können unter Beweis stellen.

Mit den'ViVAciouS Ladies'  macht sich nicht nur eine einzige Frau, sondern ein ganzer Frauenclan im eSport breit. Getreu dem Motto: Selbst ist die Frau. Samantha Jessica alias 'ViVA KittyCat ist die Leaderin des ersten deutschsprachigen Konsolenclans, der nur aus weiblichen Mitgliedern besteht, und setzte somit ein deutliches Zeichen im Konsolensport. Da auch die deutsche zocker schinken e.V. mit Sarah 'MisSy' Bufé ebenfalls ein weibliches Teammitglied haben, war es natürlich abzusehen, dass Samantha Jessica ( 'ViVA KittyCatvon Sarah 'MisSy' Bufé zu Tisch gebeten wurde und anlässig des zehn jährigen Jubiläums von dzs.TurtleBeach befragt wurde. Ein Interview, ganz unter Frauen:

 

-10 Jahre eSports auf Konsole! Grund zum Feiern?
 
Auf jeden Fall! Aller Anfang ist schwer und der des Konsolen eSports war garantiert kein Zuckerschlecken, besonders in Anbetracht dessen, dass viele PC eSportler heute noch über die Vorstellung lachen, man könnte auf der Konsole eSport betreiben. 
Umso dankbarer bin ich den Vorreitern der Szene, die das alles möglich gemacht und den Hindernissen getrotzt haben. Es war lediglich eine handvoll Menschen, die diese Szene unter größtem Aufwand und mit viel http://dzs-clan.de/images/articles-pics/126_1363625145.jpgGeduld geschaffen haben. Heute ist alles so umfangreich - viele Spieler, Clans, Turniere, Events - und alles steht auf dem alten Fundament einzelner Visionäre. dzs war von Anfang an mit dabei, hat die Entwicklungen mitgestaltet und geprägt und deshalb spreche ich den Verantwortlichen an dieser Stelle meinen allergrößten Respekt und meine herzlichsten Glückwünsche aus.
 
-Wie empfindest du heute die Szene? Viele sagen es gibt einen Aufschwung, Die Kollegen, die länger dabei sind, meinen das Gegenteil. Wie würdest du es sehen?
 
Ich denke, es ist ein bisschen von beidem. Einen Aufschwung erlebt die Szene zurzeit auf jeden Fall. Immer mehr Sponsoren entdecken den Konsolen eSport für sich, die Events werden größer und spektakulärer, Preise und sogar Preisgelder nehmen langsam Gestalt an, selbst außerhalb der Community wissen die Menschen mittlerweile, dass es diese Szene gibt. Klar kommen wir noch nicht an den PC eSport heran, aber man muss doch sagen, dass es tendenziell stark aufwärts geht.
Andererseits hat sich die Szene nicht nur zum Positiven verändert. Als ich mit CoD 2 und später CoD 4 so langsam anfing, in den eSport hinein zu schnuppern, war die Wertvorstellung eine andere. Ich weiß noch, dass ich mit meinem Ex Freund damals endlos lange Gespräche über die Szene und besonders die Bedeutung von Clans geführt habe. 
Wer in einen Clan aufgenommen wurde, hatte es geschafft. Es gab recht wenige Clans, aber jeder Clan hatte einen Status und eine Bedeutung und jeder einzelne Member war stolz, den Clantag tragen zu dürfen. Damals war ich ein Riesenfan von nsa, als ich dort als Trial aufgenommen wurde, hab ich am ganzen Körper gezittert vor Freude. Ich war noch’n Noob, aber ich hatte wohl ein gewisses Maß an Potenzial, denn ich sollte aufgenommen werden. Dieser Clantag hat mir damals so viel bedeutet, wie es sich heute kaum mehr ein Clanmember vorstellen kann. Es hat mir das Herz gebrochen, dort wegen meines Ex Freundes austreten zu müssen. 
Damals hat man sich noch mit seinem Clan identifiziert, man hat zusammengehalten, Clans sind aus engen Freundschaften und gleichen Zielsetzungen entstanden und die Leute von damals teilweise ewig zusammengeblieben. Es waren kleine Familien, die aufeinander aufgepasst haben und gemeinsam die Szene gestaltet haben. 
Heute haben die wenigsten mehr diesen Stolz, dieses Funkeln in den Augen, wenn sie ihren Clantag betrachten. Die Spieler wechseln häufiger den Clan, als ihre Unterwäsche. Jeder, der ein bisschen was kann, geht da hin, wo ihm am meisten Support geboten wird. Die Loyalität ist bei einem Großteil der Spieler ausgelöscht. Man verfolgt seine Ziele nicht mehr als Clan, sondern nur noch als einzelner. Jeder versucht, den für sich allein, allerhöchstens noch für sein Team, größtmöglichen Erfolg zu haben. Der Zusammenhalt, der die Szene groß gemacht hat, ist komplett zusammengebrochen. 
Ich persönlich habe großes Glück, dass es bei den Mädels zumeist anders läuft. Sie sind noch ganz frisch im eSport, unverdorben, wir sind die erste Anlaufstelle, zeigen den Mädels alles und führen sie an den eSport heran. Das schweißt zusammen und wir fühlen uns als große Familie unheimlich wohl. 
Das ist aber traurigerweise die Ausnahme. Nicht nur die Spieler sind schuld. Ich finde es allgemein sehr schade, dass es nur noch um Support oder nicht Support geht. Wenn ihr Erfolg habt, bekommt ihr etwas, wenn ihr keinen mehr habt, seht zu, dass ihr weg kommt. Ich habe schon Gespräche mitbekommen, in denen Teams unter 4-stelliger Betreuung gar nicht erst in den Clan eintreten. Utopische Summen, die zum Teil von kleinen Lichtlein verlangt werden und die manchmal sogar gezahlt werden. Und am besten ohne Verpflichtungen und ohne Verträge, damit man jederzeit wieder gehen kann, wenn es mal nichts gibt oder jemand anderes mehr bietet. Es ist schön, wenn es langsam in den Bereich des Möglichen kommt, mit dem Konsolen eSport Geld zu verdienen, aber das macht die Szene leider auch ziemlich kaputt.
 
-Leidiges Thema: Söldnerschaften unter den Jungs und Mädels. Trenderscheinung oder unausweichliche Zukunft unserer Community?
 
Es scheint leider fast so, als sei das die unausweichliche Zukunft unserer Community. Wie bereits oben erwähnt, gab es eine zu große Verschiebung der Werte im Clangeschehen. Das Vertrauen ist kaputt, von Clans zu Teams und Spielern und umgekehrt genauso. Keine Loyalität, keine langfristigen Bindungen, keine Identifikation mehr mit dem Gesamten. Um das rückgängig zu machen, müssten die Clanleader einen gemeinsamen, steinigen Weg gehen und viele viele Regeln, eine Art „Codex“ zusammentragen. Alle an einen Tisch zu bekommen und dann noch auf einen für alle tragbaren Nenner zu bringen, halte ich für utopisch. 
 
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ViVA Kittycat mit ihren Mädels auf der Gamescom 2012 am Activision Stand
 
-Welche Bedeutung hat eSport für dich und deine Mädels?
 
Diese Frage kann ich wohl nur für mich beantworten, meine Mädels haben sicher alle eine eigene Meinung dazu.
Ich persönlich habe mich einfach hoffnungslos in den eSport verliebt. Ich bin unendlich bewegungsfaul und habe schon immer gern Videospiele gespielt. Als ich zwei oder drei Jahre alt war, konnte ich alle Sega Master System Spielkassetten meiner älteren Schwester voneinander unterscheiden, obwohl nicht ein einziges Bild darauf war, nur anhand der Schrift darauf, so ein Suchtkind war ich. Als ich mit 14 dann herausfand, dass mein größtes Hobby ein richtiger Sport mit Turnieren, Ligen, Meisterschaften und offiziellen Events sein sollte, war ich sofort begeistert. 
Nach einem Weilchen aktiver Spielzeit im eSport kam dann aus heiterem Himmel ViVA in mein Leben. Resultierend aus einem Female Team bei WoH, zunächst ganz unschuldig mit zwei weiteren Damen, von denen eine gerade dieses Interview mit mir führt, gegründet. Ein kleines, unbedeutendes Projekt, mehr Team als Clan, mehr Chaos als Struktur, mehr Hater als Befürworter, mehr Blödsinn als System. Im Laufe der fast drei Jahre, die ich dieses Projekt nun leite, hat sich der Clan eine Rolle im Konsolen eSport angeeignet, mit der ich mich noch deutlich mehr identifiziere, als mit dem spielerischen Aspekt allein.
Der eSport gibt dem Klischee des Gaming den Arschtritt, den es verdient. Nein, wir sind keine ausgegrenzten Kellerkinder, die unfähig zu jeglicher Art von Sozialkontakten sind. eSportler sind Teamplayer, Clans sind soziale Umfelder, Freunde, mit denen man täglich Spaß hat und auch hart trainiert. Man verlässt sich aufeinander, arbeitet zusammen, lacht und weint gemeinsam, trotz der großen Entfernung. Auf der GamesCom oder einer LAN trifft man sich, alle sind gleich, egal ob dick, hässlich, behindert oder dumm, arm oder reich, Model oder Freak, völlig egal, jeder ist anerkannt und Teil der Community. 
http://dzs-clan.de/images/articles-pics/126_1363625090.jpgMeinen Platz in dieser Community habe ich durch ViVA gefunden. Ich habe mich immer gefragt, wie ich den Konsolen eSport fördern kann, denn man MUSS ihn einfach fördern. Die ViVAciouS Ladies haben sich im Laufe der Zeit zu einer Art Ausbildungsstätte entwickelt, die eSport fremde Mädels an den eSport heranführt. Wir bringen ihnen alles bei, was man wissen und können muss und integrieren sie so in die von Männern dominierte Community. Ich liebe es, den eSport so zu fördern und auch zu entschärfen, da er ja doch sehr verrufen ist. Meistens trauen sich die Mädels nicht in diese Welt, wir öffnen eine kleine Schleuse, in der sie geschützt ihre ersten Versuche starten können. Sie müssen nicht besonders gut sein, das erwartet niemand, sie müssen einfach nur mitmachen und dabei haben sie riesigen Spaß. Das ist natürlich nicht alles, was ViVA ausmacht, aber vermutlich unser größter Anteil am eSport.
Für mich bedeutet der eSport Spaß ohne Ende und er ist ein Hobby, das ich jederzeit weiterempfehle und immer nach Kräften unterstützen werde. 
 
- Du bist seit CoD 2 auf der Konsole vertreten, was hat sich zu damals verändert?
 
Das meiste habe ich denke ich schon genannt. Die Werte haben sich verschoben, die Community ist größer und die Turniere ertragreicher geworden. Die Teams nehmen sich ernster, trainieren härter, verlangen aber auch plötzlich etwas dafür, den Clantag auf der Brust zu tragen und spielen meist dort, wo es sich für sie am meisten lohnt.
Man kann dem Konsolen eSport täglich beim Wachsen zusehen und das ist auf jeden Fall schön. Man merkt, dass die Professionalität, mit der die größeren Clans, die im Rampenlicht stehen, ein positives Licht auf diesen negativ behafteten Sport wirft. Mehr und mehr wird das alles anerkannt, solange eine Weile niemand Amok läuft. Als ich anfing, wirkte das Ganze wie ein Insidertipp, mittlerweile ist es allgegenwärtig. Kann auch an mir liegen, aber ich finde es toll. 
 
- Wie würdest du Gaming in einem Wort Beschreiben?
Emotional
 
 
- CSL: Fluch oder Segen für unsere Community?
 
Die CSL ist definitiv ein Segen! 
Es können alle schimpfen, so viel sie wollen. Ich bleibe dabei, dass ich in der CSL alles über das kompetitive Zocken gelernt habe, ich dort auf eine Menge Kompetenz als auch Inkompetenz gestoßen bin und ich im Großen und Ganzen aber sagen muss, dass mich nichts mehr mit der Szene verbunden hat, als die CSL. Die Foren sind dominiert von vielen flamenden Kiddies, das meine ich nicht. Das System, die Regelwerke, die Cups und Ladders, die News, die Awards,Versus, das Gesamtpaket, das die CSL für die Spieler zu bieten hat, ist doch meiner Ansicht nach besser, als überall sonst und dafür bin ich dankbar. 
 
- Was erhoffst du dir für die Zukunft des eSports?
Ich erhoffe mir, dass der eSport eines Tages gesellschaftlich in ein anderes Licht rückt, dass man nicht mehr schief angesehen wird, wenn man auf die Frage nach dem Hobby mit „Zocken“ antwortet. Ich würde mir wünschen, dass gerade auch der Female eSport viel ausgeprägter und populärer wird und wir gemeinsam daran arbeiten können, gewisse Klischees auszurotten.
 
 
 
-Was gibt dir nach so einer langen Aktivität den Kick, immer noch in der Szene mitzuwirken?
Es gibt immer wieder etwas Neues, das man anstreben kann. Damals wollte ich einfach nur in einen Clan, dann hatte ich plötzlich meinen eigenen, dann wollte ich mit meinem Team unbedingt in die Top 20, dann eine 10er Streak, dann Top 10. Wanderpokale, Cupsiege, Nationalteam, Partnerschaft mit NXG, Sponsoren, so viele tolle, motivierte Menschen, meine Mädels, die GamesCom, es macht alles so viel Spaß. Als ich damals mein erstes Interview bei fragster.de gegeben habe, war ich so unheimlich stolz, jetzt darf ich in eine Interviewreihe mit Endloos und spillout und Chris Parker und so vielen aufregenden Menschen, die diese Szene zu dem gemacht haben, was sie ist und das ist alles so unwirklich und toll. Mein Bild in einer Gaming Zeitschrift, meine Meinung tausenden von Lesern unterbreitet. Über 700 Likes auf Facebook, all about ViVA, weltweiter LiveStream. Egal, was kommt, irgendetwas noch Heftigeres kommt direkt danach. Der eSport allgemein und meine derzeitige Position mitten drin bieten mir einfach viel zu viele Möglichkeiten, als dass ich damit aufhören könnte, mich täglich wieder voll reinzuhängen. Es macht einfach immernoch genauso viel Spaß, wenn nicht sogar noch mehr, als am Anfang. Zu sehen, wie mein Clan wächst, unser Bekanntheitsgrad steigt und die Mädels den Clan genießen und lieben, den ich aufgebaut habe, erfüllt mich täglich mit Stolz und mit mehr Motivation, als ich derzeit überhaupt aufbrauchen kann.  
 
 
- Abschlussworte von mir:
Ich bedanke mich ausdrücklich dafür, dass ich dieses Interview geben darf. Neben vielen anderen hier komme ich mir ein bisschen vor, wie das kleine Küken der Konsolen eSport Größen und ich bin unheimlich stolz darauf, dass ich einen Platz in dieser Reihe bekommen habe. dzs, ich wünsche euch noch viele, viele weitere Jahre. Eine Szene ohne dzs und erst recht eine GamesCom ohne Serdal kann und will ich mir nicht vorstellen
Vielen Dank an alle, die sich meinen Beitrag komplett durchgelesen haben. Ich neige dazu, Romane zu schreiben und ich hoffe, ich habe niemanden zu Tode gelangweilt.
Alles alles Gute weiterhin und vielen Dank dzs.
 
Der gesamte Verein wünscht Dir, liebe Samantha Jessica und natürlich auch deinen Mädels, weiterhin alles Gute. Sowohl im eSport als auch im privaten Leben. Bleibt uns erhalten!

Author: MisSy am 15.03.2013, 18:51 Uhr

Seiten: 1

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#1 von Torcida 24.03.2013 - 18:38
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